Motorreiniger, Benzin und Diesel Additiv wirklich sinnvoll?

Diese Frage stellen sich die meisten Autoliebhaber, die auch den Motor von innen sauber halten und pflegen möchten, ohne ihn mechanisch zerlegen zu müssen. Doch wie sinnvoll ist denn Motoreiniger in den Ölschmierkreislauf, jenach Art des Motors Benzin bzw. Diesel Additive (auch als Benzin- bzw. Dieselzusatz genannt) in den Tank zu kippen? Sind die Produkte schädlich für den Motor? Halten sie was sie versprechen? Bei diesen Fragen scheiden sich die Gemüter. Während die einen überzeugt sind, halten die anderen die Zusätze für reine Geldverschwendung. Um Antworten auf diese Fragen finden zu können und eine objektive Betrachtung zu ermöglichen, muss bei dem Thema Motorreiniger auf den Grund gegangen werden. Daher kommen wir am Motoröl nicht vorbei.

Modernes Motoröl

Heutzutage bestehen moderne Motorenöle 15-30 Prozent aus unterschiedlichsten Additiven wie Alterungsschutzmittel, Oxidationsinhibitoren, Reibungsminderer, Schaumdämpfer, Verschleißminderer usw. Neben diesen Additiven sind u.a. eine der wichtigsten Bestandteile Detergentien und Dispersanten, die im Öl die Aufgabe übernehmen, dass die Verunreinigungen im Motor transportiert und in der Schwebe gehalten werden, damit sie nicht nochmal in den Ölkreislauf gelangen. Die Mixtur schwankt von Marke zu Marke.

D.h. Grundöl + Additiv-Paket = Motoröl. 

Neben dem Additiv-Paket unterscheiden sich die Motoröle auch beim verwendeten Grundöl.

Folgende 4 Arten gibt es:

  • Mineralöle, die durch die Destillation des Rohöls gewonnen werden, setzen sich aus vielen unterschiedlichen Kohlenwasserstoff-Molekülen zusammen. Hier machen sich die Hersteller wenig Mühe und nehmen das Öl, so wie es ist. In der Qualität unterscheiden sich auch die Mineralöle untereinander. Die rein mineralischen Öle sind somit qualitativ die schlechtesten!
  • Die Hydrocrack-Öle, kurz HC-Öle, sind auch Mineralöle, die in der Raffinerie mit dem Hydrocrackverfahren etwas nachgearbeitet werden. Dabei werden die langkettigen Kohlenwasserstoffe gespalten und man erhält ein Öl mit ungefähr gleichgroßen Molekülen. Verwendet werden hierzu zumindest die qualitativ besseren Mineralöle.
  • Synthetisches Öl wird ebenfalls aus Erdöl gewonnen. Der Hauptunterschied ist, dass die Molekülketten komplett auseinander genommen und danach einheitlich und geradlinig wieder aufgebaut werden. Der Aufwand ist bei diesem Herstellungsprozess am höchsten und das Öl hat grundsätzlich die höchste Qualität.
  • Teilsynthetische Öle sind Mineralöle, die noch einen synthetischen Anteil haben. Das heißt, dass dem Mineralöl etwas synthetisches Öl beigemischt wird.


Somit können die Öle erst mal nach ihrer Qualität eingeordnet werden: 
Mineralöle sind am schlechtesten und die vollsynthetischen Öle am besten. Zwischen den beiden liegen dann die HC- und teilsynthetischen Grundöle. Welche der beiden besser ist, kann man nicht sagen. Ob ein Motorenöl nun ein qualitativ gutes oder ein qualitativ hochwertiges Motoröl ist hängt zusätzlich vom enthaltenen Additiv-Paket ab. Zusammenfassend lässt sich folgendes sagen:

Rein mineralisches Öl + einfaches Additiv-Paket = Billiges Baumarktöl

Vollsynthetisches Öl + leistungsfähiges Additiv-Paket = Qualitativ hochwertiges Motoröl

Dementsprechend ist auch der Preisunterschied, weil der Herstellungspreis vom verwendeten Grundöl und Additiv-Paket abhängt. Zudem verteuert jede Freigabe der Automobilhersteller das Motoröl. Also der Preis ist bei den meisten qualitativ hochwertigen Motorölen berechtigt.

Welches Motoröl ist zu empfehlen?

Fahrzeughersteller führen Testläufe über mehrere hundert Stunden und simulieren somit ein ganzes Fahrzeugleben. Die Ergebnisse dieser Testläufe zeigen immer wieder das Gleiche. Während bei einem Motor mit einem einfachen Motoröl ein deutlicher Verschleiß und Ablagerungen zu erkennen ist, sieht der Motor mit einem hochwertigen Motoröl noch ziemlich gut aus. Deshalb sollte man, wenn man dem Motor etwas Gutes tun möchte, lieber nicht am Motoröl sparen. Vergleicht man die Preise von billigen Motorölen mit den qualitativ hochwertigen Motorölen, so ist der Preisunterschied recht überschaubar. Denn die teureren Motoröle (5l Kanister) kosten gerade mal 20€ bis 30€ mehr als die Billigen. Geht man von einem jährlichen Ölwechsel aus, würde man in 10 Jahren für ein qualitativ hochwertiges Motoröl 200€ bis 300€ mehr ausgeben. Verglichen mit einem Motorschaden, der auf ein billiges Motoröl zurückzuführen ist, ist es eine sinnvolle Investition.

Welches Motoröl ist vollsynthetisch?

Aufgrund dessen, dass die Begriffe “teil- oder vollsynthetisch” bisher nicht geschützt waren bzw. sind konnten die Hersteller die Öle so benennen wie sie es wollten. Jedoch kam es im Jahre 2016 nun zu einem Streitfall, bei dem die Beklagte Motoröle auf Hydrokrack-Basis als „vollsynthetisch“ beworben hatte. Nun hat das Oberlandesgericht Köln entschieden (Urteil v. 24.06.2016 (Az. 6 U 78/15), dass nur noch die Motoröle uneingeschränkt “vollsynthetisch” bezeichnet werden dürfen, die keinen Mineralölanteil haben. Wortlaut des Gericht:

„Es lässt sich festhalten, dass die angesprochenen Verkehrskreise mit der Bezeichnung „vollsynthetisches Öl“ eine besondere Qualität verbinden, die den höheren Preis rechtfertigt. Es ist auch nicht zutreffend, dass der Verbraucher mit der Bezeichnung „vollsynthetisch“ keine konkreten Vorstellungen verbindet. Er wird zumindest erwarten, dass es sich um ein „künstlich hergestelltes“ Öl handelt, das eben deswegen einem natürlich gewonnen (Mineral-) Öl Vorzüge aufweist. (…) Der situationsadäquat aufmerksame und durchschnittlich informierte Durchschnittsverbraucher darf im vorliegenden Fall daher erwarten, dass ein als „vollsynthetisch“ beworbenes Motoröl den Produkten entspricht, die ihm bisher unter dieser Bezeichnung am Markt entgegengetreten sind.“

Wenn aber darauf hingewiesen wird, dass das Öl mit einem anderen Verfahren hergestellt worden ist als die bekannten vollsynthetischen Öle, können Öle, die einen Mineralölanteil enthalten trotzdem als „vollsynthetisch“ bezeichnet werden. Dazu der Wortlaut des Urteils:

„Es ist der Beklagten unbenommen, die Bezeichnung weiterhin zu verwenden, wenn sie die Verbraucher in geeigneter Weise darüber aufklärt, dass es sich bei diesem „vollsynthetischen“ Öl um ein Öl handelt, dass mit einem anderen Verfahren hergestellt worden ist als die dem Verbraucher bekannten vollsynthetischen Öle.“

Auch wenn dieses Urteil in dieser Frage etwas Klarheit verschafft, sollte man beim Kauf drauf achten, ob es sich bei dem Öl tatsächlich auch um ein vollsynthetisches Motoröl handelt. Denn bei der Benennung sind die Hersteller sehr kreativ und sorgen immer noch zur Verwirrung. Außer Liqui Moly, der seine Öle in mineralisch, teilsynthetisch, Synthese Technologie und vollsynthetisch unterteilt. Folgende Motoröle von Liqui Moly sind vollsynthetisch:

Braucht es den Motorreiniger?

Das Thema Motoröl anzuschneiden war deshalb wichtig, weil das verwendete Motoröl auch ein Einfluss auf die Motorsauberkeit hat. Verwendet man ausschließlich ein vollsynthetisches Motoröl mit einem sehr gutem Additivpaket ist der Motor sauberer als bei einem Motor mit einem billigen Baumarktöl. Trotzdem haben die Motoröle eines gemeinsam: Trotz moderner Entwicklung altern sie alle der Zeit. Der Unterschied ist, dass Mineralöle, HC- und teilsynthetische Öle sich schneller altern als Vollsynthetische. Daher sind Motoren mit einem billigeren Motoröl eher zu Ablagerungen und Verkokungen ausgesetzt als bei qualitativ besseren vollsynthetischen Öle. Daher spielt bei Ablagerungen die Qualität des verwendeten Öles eine große Rolle. Neben der Alterung wird das Öl auch durch Verbrennungsrückstände (wie Ruß, Schwefeldioxide, Wasser), Staub aus der Atmosphäre und Materialabrieb an Motorteilen verschmutzt. Ein Teil der Verschmutzungen lagert sich dann an Kolbenringen, Kolbenringnuten, Ölbohrungen und Lagern ab, bevor sie durch den Ölfilter abgefangen werden können. Infolge kann die Leichtgängigkeit des Kolbens beeinträchtigt werden und der Motor muss mehr Energie aufwenden. Das macht sich dann mit einem erhöhten Kraftstoffverbrauch und schlechten Abgaswerten bemerkbar – natürlich nicht von heute auf morgen. Bei feinen Kanälen kann es sogar zu Verstopfungen kommen, welche fatale Folgen für die örtliche Schmierung haben können und zu einem Motorschaden führen kann. Hier gilt: muss nicht, aber gut möglich.

Vor allem bei Gebrauchtwagen kann man den Zustand des Motors bezüglich Ablagerungen schlecht einschätzen. Ein Blick in die Ölwanne, wo sich der Ölschlamm am häufigsten anhäuft, mag zwar einen Eindruck verschaffen, doch gibt es keine Stelle im Ölkreislauf, wo sich Ablagerungen nicht festsetzen. Auch kann man bei einem Gebrauchtwagen nicht wissen ob die Wartungsintervalle eingehalten worden sind oder welches Öl verwendet wurde. Dass es aber, abgesehen vom Öl, über die Jahre zu Ablagerungen im Motor kommt ist keine Seltenheit. 

Stadtverkehr und Kurzstrecken, bei denen die Betriebstemperatur des Motors nicht erreicht wird, tragen verstärkt zu diesem Phänomen bei. Daher ist Motorspülung, besonders bei Gebrauchtwagen mit hohem Kilometerstand, bei jedem Ölwechsel zu empfehlen. Denn nur mit einer einmaligen Spülung wird der Motor nicht lupenrein und auch bei Neuwagen ist der Einsatz von Motorreiniger nicht schädlich, ganz und gar im Gegenteil sogar als Maßnahme zur Vorbeugung von Ablagerungen von Anfang an gut. So wird eine effiziente Motorschmierung sichergestellt, welche einen positiven Einfluss auf die Lebensdauer des Motors haben wird. Hier stellt sich die Frage inwiefern es sinnvoll ist ein schlechtes Motoröl zu verwenden und beim Ölwechsel einen Motorreiniger zu benutzen. Für einen gepflegten und sauberen Motor sollte man die Motorspülung bei jedem Ölwechsel durchführen. Wenn möglich ein auf vollsynthetisches Motoröl umzusteigen.

Vorsicht bei Oldtimern – denn Oldtimer, die keinen Hauptstrom-Ölfilter besitzen und Ablagerungen im Motor aufgrund ihrer abdichtenden Funktion sogar erwünscht sind, sollte ein modernes Mittel für die Motorspülung nicht angewandt werden. Die Ablösung alter Verkrustungen kann hier schlimme Folgen haben – im schlechtesten Fall eine Komplettüberholung des Motors.

Wie wirkt der Motorreiniger?

Motorreiniger für den Ölkreislauf bestehen hauptsächlich aus zwei Bestandteilen: Detergentien und Dispersanten. Während die Detergentien die Ablagerungen, Schmutz und Schlamm aus Ölbohrungen, Lagern und Oberflächen entfernen, sorgen die Dispersanten dafür, dass der gelöste Schmutz in der Schwebe gehalten wird und nicht gleich wieder in den Ölkreislauf gelangt.

Nur so kommen die Ablagerungen beim Ablassen auch unten heraus. Das herausgelaufene Öl samt reagiertem Reiniger wird natürlich nach den gesetzlichen Vorschriften für Altöl behandelt und über die Werkstatt entsorgt bzw. bei einer Sondermüllsammlung abgegeben.

 

Wie führt man eine Motorspülung durch?

Bevor man eine Motorspülung durchführt, muss man sich für eine der unten aufgezeigten Motorreiniger entscheiden. Bei Neuwagen bzw. Gebrauchtwagen mit niedrigem Kilometerstand wird eine normale Motorspülung ausreichen.

Motorspülung (Liqui Moly Pro-Line) bei leichter Verschmutzung

1. Zunächst den Motor auf Betriebstemperatur bringen

2. Den Motorreiniger dem Motor zugeben

3. Den Motor im Leerlauf 10 Minuten lang laufen lassen

4. Anschließend das Altöl ablassen

5. Neues Öl nachfüllen

Bei Gebrauchtwagen mit hohem Kilometerstand, bei dem bisher noch gar keine Motorspülung durchgeführt wurde, empfiehlt sich die Öl-Schlamm-Spülung.

Öl-Schlamm-Spülung (von Liqui Moly) bei starker Verschmutzung

1. Die Öl-Schlamm-Spülung dem Motor 200 km vor einem Ölwechsel dazugeben

2. 200 km mit der Spülung fahren. Vorsicht nicht überschreiten!

3. Anschließend das Altöl ablassen

4. Neues Öl nachfüllen

Tipp: Vor dem Stilllegen des Wagens Ölwechsel durchführen, denn die Partikel im verunreinigten Öl können zu Korrosion führen.

Systemreiniger – Benzin und Diesel Additiv

Wenn schon der Lauf des Motors durch die Motorspülung in Schuss gehalten wird, warum nicht auch das Treibstoffsystem wieder effizienter machen? Es sind nicht Additive gemeint, die auf Leistungssteigerung abzielen, sondern solche, die als Systemreiniger die kraftstoffführenden Bauteile säubern.

Wie beim Thema Öl geht es darum, Ablagerungen zu beseitigen, damit sie sich durch Verbrennung buchstäblich in Luft auflösen. Auch hier können Ablagerungen an Ventilen, Einspritzdüsen, Hochdruckpumpe, Zünd- bzw. Glühkerzen auf die optimale Verbrennung einen Einfluss haben. Dies macht sich vor allem bei Gasannahme, Abgaswerte und Verbrauch bemerkbar. Darunter leidet natürlich auch die Leistung des Motors.

Hier sollte folgendes erwähnt werden: Systemreiniger helfen die ursprüngliche Leistung des Motors wiederherzustellen. Für Benzin- und Dieselmotoren gibt es jeweils einen Systemreiniger, die man dem Tank einfach zugibt.

Tipp: Vor dem Stilllegen des Wagens vor dem Volltanken ein Benzin-Systeme-Pflege bzw. Diesel-System-Pflege Additiv in Tank kippen. Dann bei trockenem Wetter den Wagen schön warmfahren, damit auch das Kondenswasser im Auspuff verdampft.


Fazit

Es spricht nichts dagegen, Motorreiniger für den Ölkreislauf und Systemreiniger für das Kraftstoffsystem zu verwenden. Periodisch können die Behandlungen wiederholt werden. Es ist klar, dass keine Wirkung ewig anhält. Gerade bei älteren Motoren, die schon sechsstellige Kilometerleistungen angesammelt haben, kann die Pflege von Ölraum und Kraftstoffsystem enorme Unterschiede machen, da sich über lange Zeit Ablagerungen angesammelt und zu Verstopfungen geführt haben könnten.

Übrigens sind Benzin- und Dieselzusätze besonders für Fernreisen eine Empfehlung, wenn die Sicherstellung von hochwertigem Treibstoff aus lokalen Quellen entlang der Route nicht immer gegeben ist.

Zuletzt: Motorreiniger, Benzin und Diesel Additive können reinigen und vorbeugen, aber nicht reparieren!

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